Ausgangslage

Die Herausforderungen der nächsten Jahre sehen

Das bestehende Betreuungs- und Pflegesystem steht in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen. Der deutliche Anstieg hochbetagter Menschen, die Zunahme von Demenzerkrankungen, veränderte Familien- und Haushaltsstrukturen sowie Fachkräftebedarf und steigende Kosten erhöhen den Anpassungsdruck. Um diesen Entwicklungen gerecht zu werden, sind gezielte Weiterentwicklungen und nachhaltige Lösungen notwendig.

Alternde Gesellschaft

Oberösterreich befindet sich in einem tiefgreifenden demografischen Wandel, der sich besonders in der Altersgruppe der hochbetagten Menschen zeigt. Anfang 2025 lebten rund 42.000 Personen im Alter von 85 Jahren und älter in Oberösterreich. Bis 2040 wird ein Anstieg um etwa 29.000 Personen erwartet – das entspricht einem Plus von rund 69 %.

Grafik zur demografischen Entwicklung in Oberösterreich von 2025 bis 2040.

Mit der Alterung der Bevölkerung steigt der Bedarf an Pflege deutlich. Die Zahl der Menschen mit hohem Pflegebedarf nimmt überproportional zu – auch wenn mehr gesunde Lebensjahre diese Entwicklung etwas abmildern.

Besonders sichtbar ist dies bei Demenzerkrankungen: In Oberösterreich leben derzeit rund 22.000 Betroffene, etwa 5.600 davon in Alten- und Pflegeheimen. Bis 2050 wird mit über 40.000 Erkrankten gerechnet – vor allem aufgrund der wachsenden Zahl hochaltriger Menschen.

Das erhöht den Druck auf bestehende Pflege- und Betreuungsangebote und erfordert flexible, zukunftsorientierte Lösungen.

Gesellschaftliche Veränderung – Familie, Haushalt, Erwartungshaltung

Neben dem demografischen Wandel prägen folgende Megatrends die zukünftige Gestaltung von Pflege und Betreuung:

Individualisierung: Lebensstile und Familienformen werden vielfältiger, traditionelle Normen verlieren an Bedeutung. Damit steigen auch die Ansprüche an Selbstbestimmung und individuell angepasste Pflegeangebote.

Gesundheit und Wohlbefinden: Ganzheitliche Gesundheitskonzepte mit Fokus auf Prävention, Selbstfürsorge und digitale Unterstützung prägen zunehmend den Umgang mit Pflege und Betreuung.

Vernetzung: Digitale Technologien vernetzen Menschen und Organisationen stärker denn je. Sie eröffnen neue Möglichkeiten in der Versorgung, verändern aber auch Informations- und Kommunikationsstrukturen.

Klima- und Ökologiebewusstsein: Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung gewinnen an Bedeutung und beeinflussen künftig auch Bauweise, Infrastruktur und Organisation von Pflegeeinrichtungen.

Wissensgesellschaft und Wissensökonomie: Bildung, Forschung und digitale Kompetenzen werden zu zentralen Ressourcen – auch für soziale Dienstleistungen und Pflegeangebote.

Verstädterung: Wachsende Städte, neue Wohnformen und veränderte Infrastrukturbedarfe prägen die Lebensrealität älterer Menschen und damit auch Betreuungsstrukturen.

Rückgang traditioneller Familienmodelle: Immer weniger ältere Menschen leben in Mehrgenerationenhaushalten. Bereits heute lebt mehr als ein Drittel der über 65-Jährigen allein.

Zunahme von Einpersonenhaushalten: Der Anteil der Einpersonenhaushalte in Oberösterreich steigt seit Jahrzehnten kontinuierlich und wird Prognosen zufolge weiter deutlich wachsen

Höhere Erwerbstätigkeit von Angehörigen: Die Erwerbstätigkeit – insbesondere von Frauen – ist stark gestiegen. Dadurch sinkt die zeitliche Verfügbarkeit für familiäre Pflege und Betreuung.

Steigende Mobilität: Jüngere Generationen wohnen seltener in unmittelbarer Nähe ihrer pflegebedürftigen Angehörigen, was informelle Unterstützung erschwert.

Veränderte Erwartungen älterer Menschen: Ältere Menschen wünschen sich zunehmend ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Zuhause bei gleichzeitig gesicherter Versorgung. Stationäre Pflege wird meist als letzte Option gesehen.

Betreuungsmix in Oberösterreich

Die Statistik zeigt, dass Oberösterreich im Bundesländervergleich einen hohen Anteil an häuslicher Pflege und stationären Betreuungseinrichtungen aufweist, während mobile Dienste und alternative Wohnformen weniger ausgebaut sind. Der starke Anteil an häuslicher Pflege deutet auf starke familiäre Strukturen hin, die zukünftig unterstützt werden müssen.

Insbesondere im stationären Bereich ist die Versorgungslage insgesamt gut: Die 134 oberösterreichischen Alten- und Pflegeheime stellten zum 31.12.2025 12.773 Plätze für im Jahr 2025 insgesamt 18.367 Bewohnerinnen und Bewohner (davon 15.130 in der Langzeit- und 3.237 in der Kurzzeitpflege) zur Verfügung.

Über diese gute Versorgungslage hinaus blieben mit Stichtag 31.12.2025 in den oö. Alten- und Pflegeheimen weitere 763 Plätze wegen Personalbedarf und 736 aus anderen Gründen leer. Diese zurzeit nicht nutzbaren Plätze stellen eine wichtige Reserve dar, die angesichts des künftig steigenden Bedarfs an stationärer Pflege noch benötigt werden wird. Weiters werden aktuell landesweit 1.499 Plätze von Personen mit einer erwarteten Pflegestufe unter 4 belegt.

Zuständigkeiten

Die Organisation von Begleitung, Betreuung und Pflege gelingt nur im abgestimmten Zusammenspiel von Bund, Land sowie Städten und Gemeinden. In Oberösterreich regelt das OÖ. Sozialhilfegesetz die Zuständigkeiten:

Die regionalen Träger der Sozialhilfe verantworten insbesondere mobile Dienste, Alten- und Pflegeheime, Kurzzeitpflege sowie Tagesbetreuung – als Aufgabe im eigenen Wirkungsbereich der Gemeinden.

Das Land Oberösterreich steuert mit der Landessozialplanung die bedarfsorientierte Entwicklung sozialer Leistungen. Grundlage dafür sind die systematische Datenerhebung und -auswertung sowie eine vorausschauende Planung für das gesamte Landesgebiet.

Auf Bundesebene setzen die Pflegeentwicklungskommission und der Pflegefonds wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Pflege. Das Sozialministerium erarbeitet zudem eine österreichweite Pflege- und Betreuungsstrategie als übergeordneten Rahmen für die Länder. Zentrale Inhalte dieser Strategie sind eng mit den Schwerpunkten der oberösterreichischen Betreuungsarchitektur 2040 verzahnt.

Auch die Finanzierung der Pflege- und Betreuungsleistungen basiert auf dieser gemeinsamen Verantwortung von Bund, Land und Gemeinden.

Finanzierung

Im Jahr 2024 beliefen sich die Gesamtnettokosten für Pflege und Betreuung in Oberösterreich auf rund 470 Mio. Euro (vor Abzug Mittel Pflegefonds, Pflegeregress-Ersatz). Diese setzen sich zusammen aus den direkten Kosten für Pflege und Betreuungsdienstleistungen, die überwiegend von Gemeinden und Städten (mit insgesamt 399 Mio. Euro im Jahr 2024) sowie dem Land Oberösterreich getragen werden.

Im Kontext der Finanzierung ist die Prognose der Kostenentwicklung von entsprechender Relevanz. Mehr ältere Menschen kommen ins hohe Alter und werden Pflegedienstleistungen in Anspruch nehmen. Je nach Modellannahmen (zukünftiger durchschnittlicher Zeitpunkt des Eintritts von Pflegebedarf; Notwendigkeit, stationäre Einrichtungen in Anspruch zu nehmen, etc.) ergeben sich daraus verschiedene Szenarien. Bei gleichbleibendem Leistungsmix muss bis ins Jahr 2040 mit einer Kostensteigerung von mehr als 40 % (Preisbasis 2024) ausgegangen werden.

Diese finanziellen und gesellschaftlichen Auswirkungen sind langfristig bei einer bloßen Fortschreibung des bestehenden Systems für Städte, Gemeinden und das Land nicht zu schultern. Mit dem Projekt Betreuungsarchitektur 2040 wird rechtzeitig das Steuer in die Hand genommen, um eine gute Versorgung im Alter für alle Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher sicherzustellen – mit fairen Beiträgen für die Einzelne und den Einzelnen und finanzierbar für die öffentliche Hand.